Foto: Susanne Koheil
Es ist eine Frage, die unsere Malkasten-Teilnehmer immer wieder umtreibt: Welcher Pinsel ist der richtige? Salopp könnte man es so ausdrücken: Es liegt nie nur an der Badehose, wenn man nicht schwimmen kann. Prinzipiell kannst du mit so ziemlich allem malen, was Borsten oder Haare hat. Das kann auch sogar ein Handfeger sein. Oder deine Finger oder andere Werkzeuge. Es kommt darauf an, was du vorhast und in welcher Technik du malen möchtest.
In diesem Artikel erfährst du, welche Pinsel du für die Ölmalerei, die Acrylmalerei und die Aquarellmalerei verwenden kannst.
|
1. Welche Pinsel eignen sich für Ölfarben und Acrylfarben? 2. Aus welchem Material sollten die Borsten sein? 3. Welche Länge sollten die Borsten oder Pinselhaare haben? 4. Ist ein kurzer oder ein langer Pinselstil besser? Exkurs: Wie halte ich den Pinsel richtig? 5. Wie viele Pinsel brauche ich für die Acryl- oder Ölmalerei? 6. Welche Pinsel brauche ich für die Aquarellmalerei? 7. Warum ist die Form des Besatzes bei einem Aquarellpinsel wichtig? 8. Muss es für die Aquarelltechnik ein Echthaarpinsel sein? 9. Ist günstig grundsätzlich schlecht? 10. Aus welchem Material sollte ein Aquarellpinsel sein? 11. Wie viele Aquarellpinsel brauche ich? |
1. Welche Pinsel eignen sich für Öl- und Acrylfarben?
Um es gleich zu sagen: Den einen »richtigen« Pinsel gibt es nicht. Das Angebot ist riesig und erscheint auf den ersten Blick erschlagend. Zumindest, wenn du vor einer mehrere Meter langen Regalfläche mit Pinseln in allen Formen, Materialien und Größen stehst.
Sie sind meist nach den Techniken geordnet, für die sie verwendet werden sollen. So kannst du dich schnell orientieren. Für das Malen mit Ölfarben und in anderen Techniken sind fast ausschließlich die Borsten des Pinsels entscheidend.
2. Aus welchem Material sollten die Borsten sein?
Es sollte nicht gerade der Pinsel vom Discounter sein. Es hat einen Grund, warum diese Pinsel so billig sind: Das Malen damit kann frustrierend sein, weil die Verarbeitung oft zu wünschen übriglässt. Es muss aber auch nicht der teure Pinsel mit Kolinsky-Rotmarderhaar sein.
Borsten aus Acryl (Kunststoff) oder Schweineborsten sind völlig ausreichend oder sogar besser. Ich selbst benutze diese gerne. Im Fachhandel gibt es eine große Auswahl – inklusive Beratung.
3. Welche Länge sollten die Borsten oder das Pinselhaar haben?
Bei der riesigen Auswahl an Pinseln ist dir vielleicht schon aufgefallen, dass es Pinsel mit längeren und Pinsel mit kürzeren Borsten oder Haaren gibt. Ist es Geschmacksache, wofür man sich letztendlich entscheidet? Eher nicht.
Längere Pinselhaare haben den Vorteil, mehr Farbe aufnehmen zu können. Du musst also nicht so häufig den Malprozess unterbrechen, um neue Farbe aufzunehmen. Darüberhinaus kannst du mit langen Borsten die Farbe besser vermalen.
4. Ist ein kurzer oder ein langer Pinselstil besser?
Ein langer Pinselstil hat den Vorteil, dass du beim Malen den größtmöglichen Abstand zum Bild hast. Der größere Abstand gewährleistet, einen besseren Überblick über dein Tun. Deine Hand steht dem Blick auf deine Arbeit nicht im Weg. Die Vorteile eines langen Pinselstils hast du allerdings nur, wenn du den Pinsel richtig hältst.
Exkurs: Wie halte ich den Pinsel richtig?
Hältst du den Pinsel weit vorn nahe der Zwinge, behinderst du dich selbst. Deine Hand verdeckt den Bereich, an dem du malst. Oder du musst dein Handgelenk unnatürlich abwinkeln, um diesen sehen zu können. Damit schränkst du die Bewegungsfreiheit deines Arms erheblich ein. Halte den langen Pinselstil locker und möglichst weit hinten. So bildet er eine natürliche Verlängerung deines Arms und du kannst dich frei bewegen.
Das kann sich am Anfang unsicher anfühlen. Möglicherweise hast du den Eindruck, die Kontrolle über den Pinsel zu verlieren, wenn du diesen weiter hinten greifst. Das Gefühl der Unsicherheit verliert sich jedoch schnell, wenn du dranbleibst. Du wirst feststellen, dass du beim Malen eine ungeahnte Freiheit in deiner Bewegung spürst.
5. Wie viele Pinsel brauche ich für die Acryl- oder Ölmalerei?
Kaufe für den Anfang nicht mehr als acht Pinsel. Das reicht völlig aus, um erste Erfahrungen zu sammeln.
Mit Acrylborsten
- 1 Rundpinsel Acrylborsten Größe 8
- 1 Rundpinsel Acrylborsten Größe 10
- 1 Flachpinsel Acrylborsten Größe 8
- 1 Flachpinsel Acrylborsten Größe 14
Mit Schweineborsten
- 1 Rundpinsel Schweineborsten Größe 10
- 1 Rundpinsel Schweineborsten Größe 12
- 1 Flachpinsel Schweineborsten Größe 10
- 1 Flachpinsel Schweineborsten Größe 14
Probiere diese Pinsel eine Weile für dich aus und sammle Erfahrungen damit. Nach einer gewissen Experimentierphase wirst du wissen, welche Pinsel für dich die richtigen sind. Es sind ganz einfach die, mit denen du am besten zurechtkommst.
Wie wir alle noch aus unserer Kinderzeit wissen, kannst du aber auch mit den Fingern malen. Eigentlich eignet sich alles Mögliche, an dem die Farbe gerade haftet — bis hin zum Messer oder eben dem Spachtel.
Vielleicht bist du dir noch unsicher, ob du lieber mit Öl- oder Acrylfarben malen möchtest. Dann hilft dir der Artikel »Malen mit Ölfarben« bei deiner Entscheidung.
6. Welche Pinsel brauche ich für die Aquarellmalerei?
Foto: Susanne Koheil
Worauf muss ich bei einem Aquarellpinsel achten?
Aquarellpinsel sind anders konstruiert als Pinsel für die Ölmalerei oder die Acrylmalerei. Diese sind für die Aquarelltechnik ungeeignet. Auch die so genannten »Schulpinsel« funktionieren nicht. Sie sind für die Deckfarben gemacht, die man in der Schule verwendet.
Allen diesen Pinseln fehlt das für Aquarellpinsel Entscheidende: die sehr fein zulaufende Spitze und der »Bauch«.
7. Warum ist die Form des Besatzes bei einem Aquarellpinsel wichtig?
Aquarellfarbe und Tusche werden mit Wasser angemischt. Daher sind sie sehr dünnflüssig. Wenn du Aquarellfarbe mit einem Pinsel für Ölmalerei verarbeiten wolltest, würde die Farbe ungehindert aus dem Pinsel tropfen und kleckern. Du hättest nur noch wenig Kontrolle über deine Arbeit.
Der völuminöse »Bauch« des klassischen Aquarellpinsels speichert die wässrige Farbe wie ein Tank und führt sie zur Spitze. Mit dieser kannst du auch mit sehr großen Pinseln sehr präzise und fein malen. Setzt du die Längsseite ganz oder in Teilen aufs Aquarellpapier, kannst du größere Flächen mit einem Strich bearbeiten.
Neben den klassichen Rundpinseln gibt es auch flache Aquarellpinsel. Manche davon sind sehr groß und erinnern fast ein wenig an Anstreicherpinsel. Diese verwende ich für größere Formate, etwa, wenn ich Flächen lasieren möchte.
8. Muss es für die Aquarelltechnik ein Echthaarpinsel sein?
Ich erinnere mich noch genau: Mein allererster Aquarellpinsel in Schülerzeiten war einer aus dem Haar des Rotmarders. Er war schon damals teuer. Damals konnte ich damit schlicht nicht umgehen. Die Spitze sah nach kurzer Zeit durch die Arbeit auf rauem Aquarellpapier ziemlich angefressen aus. Das machte den Pinsel für die Aquarellmalerei untauglich. Ich persönlich würde so einen Pinsel heute nicht mehr kaufen.
9. Ist günstig grundsätzlich schlecht?
Manchmal findet man günstige Aquarellpinsel, mit denen man hervorragend arbeiten kann. Einen der besten habe ich vor Jahren in einem französischen Supermarkt gekauft. Er besteht aus Acrylhaaren und leistet nach wie vor hervorragenden Dienst. Diese Qualität ist jedoch bei billigen Pinseln die Ausnahme. Leider habe ich mir damals keinen Vorrat angelegt.
10. Aus welchem Material sollte ein Aquarellpinsel sein?
Ob deine Aquarellpinsel aus Naturhaar, aus Acryl oder einer Mischung aus beidem bestehen, ist Geschmacksache. Ich habe mit allen drei Varianten gute Erfahrungen gemacht. Heute arbeite ich vorwiegend mit Acrylhaarpinseln. Aus dem einfachen Grund, weil man mit ihnen bei guter Pflege sehr lange sehr gut arbeiten kann. Ich empfehle dir auszuprobieren, womit du am besten zurechtkommst.
11. Wie viele Aquarellpinsel brauche ich?
Foto: Susanne Koheil
Für den Anfang brauchst du keine große Sammlung an unterschiedlichen Pinseln. Mit dem Aquarellpinsel kannst du beides: fein und flächig malen. Wenn du mit kleineren Papierformaten bis etwa DIN A4 anfängst, reicht eine Pinselgröße aus:
- 1 Rundpinsel Aquarell Größe 14
Davon habe ich immer mehrere, damit ich bei Malen nicht jedesmal den Pinsel auswaschen muss, wenn ich die Farbe wechsle. Das wäre Materialverschwendung, zumal die Farben dafür schlicht zu teuer sind.
Wer schreibt hier?
Hallo, ich bin Susanne Koheil.
Zusammen mit meinem Mann, dem Kunstmaler Günter Wintgens, betreibe ich das Atelier Malkasten Warendorf.
Wenn ich nicht gerade Freizeitkünstlerinnen und -künstler bei ihren Projekten unterstütze, arbeite ich an meinen eigenen Bildern. Oder ich entspanne mich beim Sport und meiner täglichen Kriya Yoga Meditation.

Kommentar schreiben
Beate (Sonntag, 22 Februar 2026 18:34)
Wer jetzt noch Schwierigkeiten mit der Auswahl und dem Benutzen seiner Pinsel hat, dem ist nicht zu helfen!
Das sind sehr differenzierte und anschauliche Hinweise, die keine Frage offen lassen!