Foto: Günter Wintgens
Was soll das heißen, »Darf ich über den Rand malen«? Ist das wichtig? Kurz und knapp: Ja, und wie!
Dazu gibt es unterschiedliche Szenarien. Möglicherweise hast du unbeabsichtigt über die Seitenränder deines Leinwandbildes gemalt. Mit dem Ergebnis einer mehr oder weniger wilden Kleckerei.
Oder du hast das Motiv in dem guten Glauben, das Richtige zu tun, um die Ränder herum weitergemalt. Beide Möglichkeiten wollen wir in diesem Artikel näher betrachten.
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1. Was tun, wenn ich versehentlich über den Rand male? 2. Diese drei Dinge kannst du tun 3. Lösung: Triff Vorsorge Exkurs: »Lösungen«, die keine sind – Leinwandränder »korrigieren« – Was ist der Unterschied zwischen einem Bild und einem Bildobjekt? 4. Lösung: Rahme dein Bild ein (Beispiele) 5. Welche Farbe sollte der Rahmen haben? 6. Lösung: Tue nichts |
1. Was tun, wenn ich versehentlich über den Rand male?
Foto: Günter Wintgens
Nervt es dich jedesmal? Dein Ölbild oder Acrylbild ist endlich fertig geworden und du bist eigentlich sehr zufrieden damit. Solange du genau davorstehst. Anders sieht es aus, sobald du einen oder zwei Schritte zur Seite machst.
Farbflecken, herabgelaufene Farbtränen, farbige Fingerabdrücke, Reste der Vorzeichnung »zieren« besonders die seitlichen und unteren Schmalseiten deiner Leinwand. Was soll nun mit den Seitenrändern des Bildes passieren?
2. Diese drei Dinge kannst du tun
Je nachdem, wie sehr dich Farbflecken, Fingerabdrücke und Farbnasen stören, kannst du diese Dinge tun:
Triff Vorsorge
Rahme dein Bild ein
Tue nichts
Alle drei Lösungen sind aus unterschiedlichen Gründen attraktiv. Wie so oft hängt es auch hier davon ab, wie deine Vorlieben sind:
3. Lösung: Triff Vorsorge
Wenn dir viel daran liegt, die Kanten deiner Leinwand sauber zu halten, sorgst du am besten vor. Das geht ganz einfach, indem du die Bildränder rundherum einmal abklebst.
Wir benutzen dazu allerdings kein Kreppklebeband. Wenn du mit sehr flüssiger Farbe arbeitest, kann es passieren, dass die Farbe zu weit unter das Klebeband zieht.
Außerdem kann sich der Kleber mit der Zeit stark ändern. Dann wird es mitunter schwierig, das Klebeband zu entfernen. Das kann knifflig werden, wenn du länger an einem Bild arbeitest.
Gute Erfahrungen haben wir persönlich mit so genanntem »Grafikklebeband« gemacht. Es lässt sich prima verarbeiten, verändert jedoch nicht seine Klebeeigenschaft. Ich persönlich investiere bei diesem Verbrauchsmaterial immer in eine gute Qualität. Damit spare ich mir Ärger in der Handhabung.
Exkurs: »Lösungen«, die keine sind
Leinwandränder mit weißer Farbe »korrigieren«
Ein Rat, der im Netz kursiert, lautet, die Seitenränder hinterher mit weißer Farbe zu »korrigieren«. Ehrlich gesagt, das Ergebnis gleicht einer »Schmierage«, wie wir gerne sagen. Die verlaufene Farbe scheint immer durch. Mal abgesehen davon, dass der Rand am Übergang zur eigentlichen Malerei unsauber wird.
Bildkanten farbig bemalen, um Dreidimensionalität zu »bewirken«
Ein anderer »Tipp« lautet, die Kanten in der dunkelsten Farbe des Bildes zu bemalen. Oder die Ränder mit Bleistiftstrichen zu markieren, um dann Farbe in der jeweiligen Farbe des Motivabschnittes aufzutragen. Die Farbe soll dem Bild mehr Dreidimensionalität und »Tiefe« verleihen. Dann ist es jedoch kein Bild mehr. Dazu im folgenden Abschnitt mehr.
Was ist der Unterschied zwischen einem Bild und einem Bildobjekt?
Das Bild
Ein Bild ist per Definition zweidimensional. Die Bildhauer nennen das etwas spöttisch gerne »Flachware« – der Begriff drückt aber schon das Wesentliche aus: Das Motiv wird auf eine Fläche gemalt. Man schaut es im Idealfall genau von vorn an, damit das Bildmotiv nicht verzerrt erscheint. Die Illusion der Dreidimensionalität erzeugst du durch deine Malerei auf der Fläche.
Falls du unsicher bist, mit welchen Pinseln du am besten startest, findest du auf dieser Seite Hilfe bei der richtigen Wahl der Pinsel.
Das Bildobjekt
Ich finde ja, solange ein Gemälde kein Bildobjekt ist, wie etwa die »Farbraumkissen« von Gotthard Graubner, sollten die seitlichen Bildränder unbearbeitet bleiben.
Für Bildobjekte gilt, dass sie immer dreidimensional gedacht sind. Es sind also mindestens drei Seiten des Objekts sichtbar und für das Kunstwerk wichtig. Ab einer bestimmten Dicke könnte ein solches Bildobjekt sogar im Raum stehen und von allen vier Seiten zu betrachten sein.
Tipp
Überlege dir, ob bearbeitete Bildränder für die Aussage deiner Arbeit zwingend notwendig sind. Und wenn ja, warum. Das erleichtert es dir, eine Entscheidung zu treffen.
4. Lösung: Rahme dein Bild ein
Foto: Günter Wintgens
In früheren Zeiten musste man sich keine Gedanken dazu machen, ob die Kanten verschmiert sind. Gemälde wurden ausnahmslos gerahmt. Gerne mit viel Prunk und viel Gold. Sicherlich hast du schon einmal so genannte Barockrahmen gesehen.
Wenn die Kleckerei bereits passiert ist oder du Rahmen einfach gerne magst, dann rahme dein Bild ein. Das kann ein einfacher Stoßrahmen aus schmalen Holzleisten oder ein schlichter Schattenfugenrahmen sein. Solche Rahmungen habe ich auch in Museen schon häufig gesehen.
Ein schöner und mit Bedacht gewählter Rahmen kann deinem Leinwandbild eine besondere Wirkung verleihen. Wenn du unsicher bist, lasse dich in einer guten Rahmenhandlung beraten.
Beispiel
Foto: Günter Wintgens
Einfacher Stoßrahmen
Foto: Günter Wintgens
Schattenfugenrahmen
5. Welche Farbe sollte der Rahmen haben?
Und dann ist da noch die Farbe des Rahmens. Unter Künstlern gibt es fünf Farben für Bilderrahmen: holzsichtig, weiß, schwarz, gold, silber.
»Warum kann ich denn keine Farbe nehmen, die im Bild enthalten ist?«, fragst du dich jetzt vielleicht. Die Antwort: Der Rahmen soll deine Arbeit besser zur Geltung bringen. Wenn er die Bildfarbe aufnimmt, tritt der Rahmen in Konkurrenz zu deinem Bild oder stiehlt ihm möglicherweise die Show. Das wäre schade, bei all der Mühe, die du dir gegeben hast.
6. Lösung: Tue nichts
Ein Leinwandbild grundsätzlich und eindrucksvoll einzurahmen, ist heutzutage nicht mehr notwendig. In die meisten Wohnungen würde ein prunkvoller Bilderrahmen gar nicht mehr passen. Letztlich ist das aber Geschmacksache. Dazu kommt, manche Bilder sehen ohne Rahmen einfach besser aus. Vor allem dann, wenn deine Wohnung eher zurückhaltend eingerichtet ist.
Du musst dich also nicht zwingend um die Kanten deiner Bilder kümmern. Du musst nichts verbergen oder verhindern.
Sieh es mal so: Die selbstverständlichen Spuren des Malens hinterlassen eine Art Timeline auf den Seitenrändern. Sie dokumentieren also den Malprozess bis zu einem gewissen Grad von der Zeichnung bis zum vollendeten Werk. Das solltest du vielleicht auch in deine Überlegungen mit einbeziehen.
Alles, was ich bisher an Versuchen gesehen habe, Geschehenes ungeschehen zu machen, war hilflos bis ungenügend ausgeführt. Es ist jedenfalls in keinem Fall eine echte Verbesserung zustande gekommen. Für mich gehören diese Spuren als natürlicher Bestandteil zum Bild.
Wer schreibt hier?
Hallo, ich bin Susanne Koheil.
Zusammen mit meinem Mann, dem Kunstmaler Günter Wintgens, betreibe ich das Atelier Malkasten Warendorf.
Wenn ich nicht gerade Freizeitkünstlerinnen und -künstler bei ihren Projekten unterstütze, arbeite ich an meinen eigenen Bildern. Oder ich entspanne mich beim Sport und meiner täglichen Kriya Yoga Meditation.

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